Wandern zwischen Reben und Wald

Die diesjährige Frühjahrs-Wanderfahrt des Wachtberger Wander-Vereins fand zum wiederholten Male in die Pfalz statt. Wir waren insgesamt 17 Wanderer. Unser Standort war wie früher Annweiler, bekannt durch sein Wahrzeichen, die Stauferburg Trifels.

Die Burg war von 1133 bis 1310 Reichsburg und ist mit großen Namen des deutschen Mittelalters verbunden. Darunter die berühmten Kaiser Barbarossa (1122-1190), Friedrich II. (1194-1250), sowie der englische König Richard Löwenherz (1157-1199), der als Gefangener hier festgehalten wurde und erst nach Zahlung eines beträchtlichen Gold- und Silberschatzes als Lösegeld durch England wieder freigelassen wurde.  
Annweiler wurde durch Friedrich II. bereits im Jahre 1219 das Stadt- und Münzrecht verliehen. Im Mittelalter wardas Gerben von Fellen das wichtigste Handwerk der Stadt. Heute ist Annweiler eine beschauliche Stadt mit schöner Fußgängerzone.
Die Trifelsburg brannte nach ihrer Blütezeit durch einen Blitzschlag im Jahre 1602 völlig aus und verfiel danach. Den Einheimischen diente die Ruine als Steinbruch. Ab 1840 gab es erste Sicherungsmaßnamen und bescheidene Restaurierungsversuche durch das Königreich Bayern, zu dem die Pfalz damals gehörte. Im Jahre 1866 gründete sich der Trifelsverein mit dem Ziel des Wiederaufbaus der Burg.  
Die Nationalsozialisten forcierten ab 1937 das Projekt mit dem Ziel, eine "Nationale Weihestätte" zu errichten.  Zu diesem Zwecke wurde die heutige Trifelsstraße gebaut. Aus bekannten Gründen wurde die "Weihestätte" allerdings nicht fertiggestellt und erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Wiederaufbau, nun mit anderer Zielsetzung, fertiggestellt.


Erster Wandertag (29.06.17):
(Ankunft und Wanderung auf der Kleinen Kalmit bei Ilbesheim und Weinprobe)
 
Als Unterkunft diente uns die schön gelegene Pension "Bergterrasse" mit herrlicher Aussicht auf die umgebende Gebirgslandschaft. Mit Taxen fuhren wir am frühen Nachmittag zum Winzerort Ilbesheim. Nach einem Rundgang durch das Dorf und Besichtigung des "Superspielplatzes", finanziert von einem mildtätigen SAP-Gründer, bestiegen wir die Kleine Kalmit, wo man an einem Lehrweingarten unterstützt duch Informationstafeln besichtigen kann, wie frühere Generationen Weinanbau betrieben.
Es wurde darauf hingewiesen, dass die Kleine Kalmit eine geologische und botanische Insel ist. Geologisch, weil sie die einzige Erhebung im Rheingraben mit Kalkgestein an der Oberfläche ist. Dies ist das Ergebnis des "Grabenbruchs", der vor ca. 60 Mio. Jahren durch ein Anheben des Bodens durch den Einfluss einer nach oben drückenden Lavamasse begann. Ein anschließendes "Auseinanderziehen" der Ränder in Ost-West Richtung und deren gleichzeitiges Anheben (Pfälzerwald, Odenwald) hat schließlich zum Einbruch des Mittelbereichs und somit zur Bildung des Rheingrabens geführt. Dieser zweite Prozess begann vor ca. 30 Mio. Jahren. Man stelle sich vor: 1 mm/Jahr Verschiebung resultieren in 1000 Meter in 1 Mio. Jahren. Wir reden hier über noch größere Zeiträume.
Die im ungestörten Fall übereinander liegenden Schichten der Triaszeit (vor 200-250 Mio. Jahren) wurden somit durch diesen "Grabenbruch" gegen- und übereinander verschoben. Nur an dieser einzigen Stelle im Rheintal sieht man heute noch den Muschelkalk des Urmeeres. Der für den Pfälzerwald typische Buntsandstein besteht aus ehemaligem Wüstensand und ist älter als der Muschelkalk und lag vor den geologischen Verschiebungen ursprünglich sogar unterhalb des Muschelkalks.
Die Kleine Kalmit ist auch eine Insel für die Flora. Die Küchenschelle ist lokal als die frühblühende "Kalmitblume" bekannt. Auch der Weinbau profitiert vom Kalkboden.
Auf der Bergspitze der Kleinen Kalmit steht seit 1851 eine kleine Kapelle, die von der katholischen Nachbargemeinde Arzheim errichtet wurde. Man kann bei klarer Sicht weit in die Rheinebene schauen, bis zum Schwarzwald und Odenwald. Besonders schön ist die Sicht nach Westen. Hier bietet sich ein überwältigender Blick über die Weinberge bis zu den Bergen und Burgen des Pfälzerwalds.
Nach dem Abstieg ins Dorf fand im Weingut Seebach eine Weinprobe mit entsprechenden Erklärungen statt. Bei der anschließenden Kellerführung konnte man erstaunt feststellen, mit welch technischem Aufwand mittels neuer Erkenntnisse und großen Maschinen der Gärungsprozess heute wunschgerecht gesteuert wird und welch große Maschinen und Fässer die moderne Kellerarbeit heutzutage einsetzt, um durch optimale Steuerung der natürlichen Vorgänge beste Qualität zu erreichen. Es werden hierdurch die ohnehin ablaufenden natürlichen Vorgänge optimiert. Ähnlich wie in der konventionellen Landwirtschaft bewirken die hohen Kosten der Geräte und das erforderliche Know How, dass nur größere Betriebe sich durchsetzen können.

Der Abend klang aus bei einem benachbarten Winzer, der in einem Zelt eine Straußwirtschaft betreibt, in der man neben den lokalen Weinen auch noch typische Pfälzer Speisen genießen konnte (wie den berühmten Saumagen), bevor uns die Taxen wieder ins Hotel brachten.

Zweiter Wandertag (30.06.17)
(Zwei kleinere Wanderungen von Parkplätzen entlang der Trifelsstraße und ein Spaziergang zum Asselstein)

Der erste Stopp auf der Trifelsstraße, bergauf fahrend, war der Parkplatz der Kletterhütte in 400 m Höhe. Sie war der Ausgangspunkt einer kurzen Wanderung zum Asselstein, eine fast 60 Meter senkrechte Felswand aus Buntsandstein, der höchste freistehende Felsen des Pfälzerwalds mit einem für Kletterer hohen Schwierigkeitsgrad.
Den Felsen selbst konnten wir leider nicht vollständig umrunden, da die Südseite aus Umweltschutzgründen gesperrt war; die Nordseite allein war schon recht beeindruckend und ausreichend, sich einen Eindruck zu verschaffen.
Nach kurzer Weiterfahrt war unser nächster Stopp der Windeck Parkplatz Ausgangspunkt unserer nächsten Wanderung auf dem Cramer Weg durch herrlichen Buchen- und Esskastanienwald bis zur Madenburg, eine der größten Burg-ruinen der Pfalz. Von dort hat man eine weite Sicht nach Osten in die Rheinebene  bis zum Schwarzwald und nach Westen auf die dichtbewaldeten Höhen des Pfälzerwalds. Letzteres Bild wurde vom Autor allerdings bereits vor einigen Jahren aufgenommen, kurz nach einem Gewitter. Diese besondere Atmosphäre sollte dem Leser nicht vorenthalten werden, auch wenn die Sicht bei unserem Besuch viel klarer war.  
Das Schöne beim Wandern im Pfälzerwald ist die Tatsache, dass in einigen Burgen (meist Ruinen) Gaststätten integriert sind, die einen zusätzlichen Anreiz zum Wandern bieten, ebenso die recht zahlreichen Hütten der Pfälzerwaldvereins. Auf der bewirtschafteten Madenburg konnten wir uns stärken, bevor der Rückweg zum Parkplatz angetreten wurde. Dieser wurde verschieden vom Hinweg gewählt, um neue Aussichten zu ermöglichen. Insgesamt war dieser Rundweg knapp 10 km lang.
Für die dritte Tour dieses Tages wurden die Wagen um einen Kilometer zum nächsten Wanderparkplatz umgesetzt. Dort beginnt ein 3-4 km langer Rundweg über den Föhrlenberg mit insgesamt 170 Meter Auf- und Abstieg. Von oben hatte man eine grandiose Sicht auf die Bergwelt mit dem bekannten Trifelspanorama. Der Tag klang aus mit einem Abendessen in einem schönen italienischen Restaurant mit Biergarten in einer umgebauten Mühle, mit dem ehemaligen Wasserrad in das Gebäude integriert.

Dritter Wandertag  (01.07.17)
(Pfälzer Hüttentour ausgehend von Frankweiler über Annakapelle, Landauer Hütte, Ruine Neuscharfeneck und Orensfels)

Der dritte Wandertag war im Gegensatz zum Vortag als größerer Rundweg geplant: die "Pfälzer Hüttentour" mit insgesamt etwa 550 Meter Auf- und Abstieg und etwa 16-18 km lang. Das Wetter war zwar etwas weniger schön als am Vortag, die Sicht war jedoch immer noch recht gut.
Der Startpunkt der Tour war der Waldparkplatz des Ortes Frankweiler, der idyllisch am Saum des Pfälzerwalds zwischen Wald und Reben liegt. Das südliche Klima lässt hier Mandelbäume gedeihen, die schon recht früh im Jahr blühen. Auch andere südliche Pflanzen sind hier anzutreffen. Besonders der Park der Kurklinik des nächsten Ortes Deidesheim beeindruckt durch südliches Flair und riesige Sequoia Bäume.
Vom bayerischen König Ludwig I -die Pfalz war damals bayerisch- stammt die Aussage, dass die Pfalz die Toskana Deutschlands ist. Ganz in der Nähe befindet sich die Villa Ludwigshöhe, seine damalige Residenz, heute ein Museum mit einer Dauerausstellung der Werke des Pfälzer Impressionisten Max Slevogt. Ab Deidesheim geht es bergauf, mit[ erstem Halt an der Annakapelle, gewidmet der Heiligen Anna. Hier finden im Sommer regelmäßig Wallfahrten der katholischen Bevölkerung statt. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Annahütte, die erste unserer "Hüttentour".
Beim weiteren Aufstieg passiert man die "Trifelsblickhütte". Wie der Name vermuten lässt, hat man hier neben einem weiten Blick ins Tal und auch eine gute Sicht auf den Trifels. Mancher Wanderer wähnte sich schon am Ort für eine Mittagspause. Wir mussten jedoch noch weiter, bis hinauf zur Landauer Hütte (in 450 m Höhe), etwa der Hälfte der geplanten Tour.
In der Landauer Hütte war es nicht leicht, innen freie Sitzplätze zu ergattern, denn der beliebte Anlaufpunkt liegt am Kreuzungspunkt einiger Wanderwege. Die Sitzplätze außen waren wegen des trüben und etwas kühlen Wetters nicht sehr begehrt. Wir hatten jedoch Glück, dass bald eine größere Gruppe wieder aufbrach und wir unsere Mittagspause in der warmen Hütte genießen konnten, wo meist ein gutes Angebot an Pfälzer Speisen und Getränken besteht. Hervorzuheben ist, dass dies alles von Mitgliedern des Pfälzerwaldvereins ehrenamtlich organisiert wird.

Anschließend machten wir noch einen Abstecher zu der nahegelegenen Ruine der Burg Neuscharfenberg von wo man einen schönen Weitblick ins Tal mit den Orten Dernbach und Ramberg hat. Zurück bei der Landauer Hütte stand die Entscheidung an, dem ursprünglichen Plan entsprechend, über den Orensfels weiter zu wandern, oder eine direkte Abkürzung nach Frankweiler zu nehmen. Es wurde schließlich dem Wunsch der "Jugend" entsprochen und für den Orensfelsen entschieden. Dies war zwar mit einem weiteren Aufstieg bis auf 600 m Höhe verbunden, wurde dafür jedoch unterwegs durch schöne Aussichten belohnt. Nach dem Orensfels ging es nur noch bergab, vorbei an der Ringelsberghütte, die wir links liegen ließen, bis zu unseren Autos auf dem Waldparkplatz.


Unser letztes gemeinsames Abendessen fand im "Gasthaus und Weinstube Reiwerle" in Annweiler statt. Hierbei wurde die Gelegenheit genutzt, eine kurze Bilanz der Wanderungen zu ziehen. Familie Wahl, der Gruppe bekannt als ehemalige Mitorganisatoren und Führer bei früheren Wanderungen, waren spontan auch erschienen, um alte Bekannte zu begrüßen.

Ende der Wanderfahrt und Abreise am 02.07.17
Nach dem Frühstück am Sonntag dem 02.07.17 war die Wanderreise leider beendet. Zurückblickend hatten wir mit dem Wetter viel Glück, sodass alle Touren wie geplant durchgeführt werden konnten.

Nachtrag des Wanderführers:
Die Durchführung und Planung der Wanderung hat Spaß gemacht. Mit dem Wachtberger Wander-Verein fühle ich michja schon seit Jahren freundschaftlich verbunden. Lauter nette Leute.
Falls wieder einmal eine Wanderreise in die Pfalz in Betracht gezogen wird, sollte man zur Abwechslung auch das Dahner Felsenland westlich von Annweiler betrachten. Es gibt dort viele neu zu entdeckende wunderbare Wanderwege inmitten beeindruckender Felsenstrukturen. 

Dr. Werner Butscher