2013 - Etappenwanderung links und rechts der Mosel

Geschafft - nach 225 km Ziel erreicht

Ende Mai machte sich ein Häuflein Wanderer des Wachtberger Wander-Vereins (WWV) auf zu einer Etappenwanderung entlang der Mosel. Die Anregung, einmal rechts und links der Mosel zu wandern, kam von den Mitgliedern des Vereins, die im vergangenen Jahr an der 100 km langen Streckenwanderung von Wachtberg an die Mosel teilgenommen hatten. Vorbereitung und Organisation der Moselwanderung lagen in den Händen von Siegbert Heid und Ernst Picard. Sie hatten auch abwechselnd die Wanderführung übernommen.

Bei der Planung der Wanderung ließen sich die Organisatoren nicht von dem Ziel leiten, möglichst viele Kilometer zurückzulegen, sondern den Teilnehmern jeweils die landschaftlichen und kulturellen Höhepunkte der Mosellandschaft näher zu bringen. So stieß die Wandergruppe im Verlauf ihrer Moselwanderung immer wieder auf Spuren der römischen Vergangenheit, so beispielsweise in der Gemeinde Neumagen-Dhron, wo man das weltbekannte römische Weinschiff gefunden hat, und die sich daher "ältester Weinort Deutschlands" nennt. Die Wanderstrecke verlief in der Regel auf den Höhen oberhalb der Mosel. In einigen Fällen wurden auch weit ausholende Moselschleifen ausgespart. Die Wanderung fand in den Monaten Mai bis September statt, wobei jeweils drei oder vier Etappen in einem Abschnitt gewandert wurden. Im Durchschnitt waren die einzelnen Etappen rd. 15 km lang, wobei an einigen Tagen auch über 20 km zu bewältigen waren.

Startpunkt für die erste dreitägige Wanderung im Mai war die Gemeinde Mehring unterhalb von Trier. Von dort verlief sie über Trittenheim und Neumagen-Dhron nach Kues, dem Geburtsort des weltberühmten Theologen und Gelehrten Nicolaus Cusanus. Im nächsten Abschnitt der Wanderung, die im Juni stattfand, säumte eine Reihe von trutzigen Burgen und Burgruinen den Wanderweg. Gleich zu Beginn ging es auf die in 235 m Höhe oberhalb von Bernkastel gelegene Burg Landshut. Von der Aussichtsterasse der Burg bietet sich ein schöner Rundblick auf die umliegenden Weinberge, u.a. die berühmte Weinlage „Bernkasteler Doctor“. Anschließend führte die Wanderung auf dem kürzesten Weg nach Traben-Trarbach.

Nach der Übernachtung in dieser beiderseits der Mosel gelegenen Doppel-Stadt folgte ein steiler Aufstieg zur oberhalb von Trarbach thronenden Ruine Grevenburg, von wo man auf der Gräfin-Loretta-Route entlang der Ruine Starkenburg nach Burg (Mosel) wanderte. Bei Reil wechselte die Wanderstrecke wieder auf die linke Moselseite. Oberhalb der sog. Kanonenbahn führte die Wanderung zum Prinzenkopf und der Marienburg. Von dort hat man zwar einen großartigen Blick auf die Moselschleife „Zeller Hamm“ – die Gastronomie auf der Aussichtsterasse  läßt jedoch zu wünschen übrig. Die Wandergruppe strebte daher auf kürzestem Weg runter ans Moselufer, um mit der kleinen Personenfähre auf die rechte Moselseite überzuwechseln. Nachdem sie sich in der idyllisch gelegenen Straußwirtschaft „Onkel Toms Hütte“ – übrigens ein Geheimtipp der Picard‘s – erholt und gestärkt hatten, ging es schnurstracks zum Bahnhof in Neef, um die Heimfahrt anzutreten.

Einer der spektakulärsten Streckenabschnitte erwartete die Wanderer einen Monat später zwischen Neef und Ediger-Eller; führt dieser Abschnitt doch entlang des Bremmer Calmont, der mit 378 Metern Höhe und ca. 65 Grad Steigung als steilste Weinbergslage Europas gilt. Überdies eröffnet sich dem Wanderer hier der reizvolle Blick auf die Klosterruine Stuben in einer der schönsten Moselschleifen. Nach erneutem Überqueren der Mosel zwischen Nehren und Senheim entfernte sich die Wanderstrecke bis Beilstein mit der Burgruine Metternich von der Mosel. Ebenfalls ausgespart wurde die stark vom Tourismus geprägte Region um Cochem, so dass die Wandergruppe erst in Treis-Karden wieder auf die Mosel stieß.

Treis-Karden war auch der Ausgangspunkt für den wohl anspruchsvollsten Abschnitt der Etappenwanderung. In den folgenden drei Tagen wurden nicht nur gut 50 Wanderkilometer zurückgelegt, sondern annähernd 2000 Höhenmeter bewältigt. Besonders in die Erinnerung der WWVler „eingebrannt“ hat sich der bei großer Hitze erfolgte Aufstieg zu der oberhalb von Oberfell gelegenen Schilder-Hütte. Für ihre Mühe wurden die Wanderer aber immer wieder reichhaltig belohnt. Die Traumpfade „Bergschluchtenpfad Ehrenburg“, „Bleidenberger Ausblicke“ und „Schwalberstieg“, auf denen die Wanderstrecke teilweise verlief, boten ihnen fantastische Ausblicke auf das zwischen Weinberge eingebettete Moseltal sowie die Burgen Thurant und die Ruinen Unterburg und Oberburg bei Kobern. Auf dem Traumpfad „Koberner Burgpfad“ ging es hoch zur Matthiaskapelle. Nachdem die Wanderer sich dort oben von den Anstrengungen des steilen Aufstiegs erholt hatten, folgten sie weiter diesem Pfad, bis man bei Wolken auf den Rheinburgenweg stieß. Auf diesem Weg führte die Wanderung durch das romantische Belltal runter an die Mosel.

Wer nun geglaubt hatte, dass man das Schlimmste hinter sich habe, sah sich getäuscht. Es stand wieder ein Anstieg in kurzen heftigen Serpentinen in einem stillgelegten Weinberg an. Auf der Höhe angekommen, eröffnete sich den Wanderern der Blick auf die mächtige Winninger Moseltalbrücke. Bevor sie diese Brücke auf ihrem weiteren Weg unterquerten, nahmen die Wanderer auf dem Aussichtspunkt „Blumslay“ Gelegenheit, noch einen zufriedenen Blick auf die an diesem Tag zurückgelegte Wanderstrecke zu werfen. Nachdem das letzte Wegstück durch die Weinlagen im Eilschritt zurückgelegt war, begab sich die gutgelaunte Wandergruppe zur „Schlusseinkehr“ in eine zünftige Winninger Weinstube, um sich bei einer deftigen Mahlzeit und einigen Schoppen Wein „auf die Schulter zu klopfen“.

Nach den ziemlich „strapaziösen“ Wanderungen an der Untermosel ließen wir es im letzten Abschnitt unserer Etappenwanderung, die im September im Bereich Obermosel und Saar stattfand, etwas geruhsamer angehen. Startpunkt der Wanderung war Perl im deutsch-französisch-luxemburgischen Dreiländereck. Nachdem sie noch kurz der auf der luxemburgischen Seite der Mosel gelegenen Gemeinde Schengen, der Namensgeberin für das sog. „Schengen-Abkommen“, einen Besuch abgestattet hatten, wurden die WWV-Wanderer der Mosel ein wenig untreu und lenkten ihre Schritte in Richtung Saar. Zunächst genossen sie auf dem deutsch-französischen Panoramweg die reizvolle Landschaft um den beiderseits der Grenze gelegenen Hammelsberg mit Rundblick ins französische und deutsch-luxemburgische Moseltal.

Das nächste Ziel der Wanderung war der hoch über der Saarschleife gelegene Aussichtspunkt „Cloef“, von dem man einen imposanten Blick auf die Berg- und Flusslandschaft der Saar hat. Anschließend lenkte die kleine Wandergruppe ihre Schritte über den Europäischen Fernwanderweg E3 (Atlantik - Ardennen - Böhmerwald) gen Saarburg. Die besondere Attraktion dieser idyllischen mittelalterlichen Stadt ist der 20 m hohe Wasserfall, der zwischen Fachwerkhäusern und Barockbauten zu Tal stürzt und die Mühlräder der ehemaligen Hachenberger Mühle antreibt. Zum Abschluss der 16tägigen Etappenwanderung links und rechts der Mosel begaben sich die Wanderer des WWV bei der luxemburgischen Stadt Grevenmacher noch einmal auf die linke Moselseite, um bei einer kurzen Wanderung zwischen Felsen und Reben die reizvolle Landschaft der Mosel auf sich wirken zu lassen.

Den Teilnehmern wird die Wanderung sicherlich nicht nur wegen der dabei gewonnenen Eindrücke von der einzigartigen Kulturlandschaft um Mosel und Saar in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen der damit verbundenen Herausforderungen. Schließlich wurden rund 225 km Wanderstrecke zurückgelegt und, was vielleicht noch beeindruckender ist, annähernd 8000! Höhenmeter „erklommen“, und das in der Regel mit Gepäck. An der Wanderung teilgenommen haben – wenn auch zum Teil nur an einzelnen Etappen - die Mitglieder Dr. Bertram Bauer, Elfriede und Bruno Bollig, Anne Dahmer, Dorothée Franke, Siegbert Heid, Ulla Morr, Dr. Hermann Nanz, Emma und Ernst Picard, Monika Rau sowie Gabi und Peter Willert.


Ernst Picard