Fahrt ins Blaue 2015

Am letzten Sonntag im September startete der Wachtberger Wander-Verein zu seiner traditionellen Fahrt ins Blaue. Ziel dieser kulturhistorischen Exkursion war diesmal die Landeshauptstadt Düsseldorf. Die Fahrt dorthin wurde allerdings an mehreren Stationen, die für die Geschichte des Rheinlandes eine besondere Bedeutung haben, unterbrochen.

Abtei Brauweiler - Erste Station war die Abtei Brauweiler bei Pulheim nordwestlich von Köln. Noch heute prägt die ehemalige Abteikirche St. Nikolaus mit ihrem hoch aufragenden Westbau nicht nur das Ortsbild von Brauweiler, sondern bildet zugleich das weithin sichtbare Wahrzeichen dieser Region. Sie zählt zu den großen romanischen Kirchenbauten des Rheinlandes. 

Auf der Fahrt nach Brauweiler gab Reiseleiter Hans-Jürgen Döring den Teilnehmern der Busfahrt einen Überblick über die Geschichte der Abtei und ihre historischen Zusammenhänge. Danach ist die Abtei Anfang des 11. Jh. auf dem Besitz des Pfalzgrafen Ezzo und seiner Gemahlin Mathilde, einer Tochter von Kaiser Otto II., gegründet worden. Pfalzgraf Ezzo und seine Ehefrau residierten um 1000 auf der Tomburg bei Rheinbach. Ihre Tochter Richeza heiratete im Jahr 1013 den polnischen Prinzen Mieszko. An der Seite Mieszkos wurde Richeza Königin von Polen. Mieszko starb 1034. Richeza floh in das Reich und kehrte zu ihrer Familie zurück. Sie förderte die Abtei in Brauweiler unter anderem durch den Neubau der Kirche St. Nikolaus. Sie starb am 21. März 1063 in Saalfeld.

Nach der französischen Okkupation des Linken Rheinufers erfolgte 1802 die Aufhebung des Klosters im Zuge der Säkularisation. Die Abteikirche wurde katholische Pfarrkirche, während die Abteigebäude nach einem napoleonischen Gesetz ab 1811 als Bettlerdepot und ab 1815 durch die preußische Regierung als Arbeitsanstalt genutzt wurden. 1944 wurde Konrad Adenauer hier zwei Monate lang inhaftiert. Mit der Gründung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) als Rechtsnachfolger des Provinzialverbandes Rheinland wurde die Abtei 1954 in die kommunale Verwaltung übernommen. Zwischen 1954 und 1978 wurden hier psychisch kranke, alkohol- und drogenabhängige Menschen behandelt. Nach einer umfangreichen Sanierung und Restaurierung seit 1980 sind heute zwei Kulturdienststellen und das Archiv des LVR in den Gebäuden untergebracht. 

Fühlinger Heide - Nächste Station unserer Reise war die Fühlinger Heide zwischen Köln und Düsseldorf. Es muss ein atemberaubendes Bild gewesen sein, das sich am späten Vormittag des 5. Juni 1288 dort geboten hat: Zwei gewaltige Ritterheere mit jeweils um die 2500 Panzerreitern standen sich gegenüber; dazu kamen noch mehrere tausend Mann Fußvolk. Die eine Seite wurde befehligt vom Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg und dem Grafen Rainald von Geldern. Die andere vom Herzog von Brabant, Johann I., und dem Grafen Adolf von Berg. Was folgte, ging als "Schlacht von Worringen" in die Geschichte ein. Zu den Gegnern des Erzbischofs gehörten auch die Bürger von Köln. Sie kämpften aufseiten Brabants und Bergs. Die äußerst blutige Schlacht endete mit einer Niederlage für den Erzbischof, der monatelang als Gefangener in der Gewalt des Grafen von Berg im „Novum Castrum“ (Schloss Burg an der Wupper) interniert wurde. Düsseldorf erhielt wenige Monate später die Stadtrechte und wurde in der Folge Residenz der Grafen von Berg.

Düsseldorf - Nach Düsseldorf führte nun auch die nächste Etappe unseres Busausflugs. Nach einem kurzen Spaziergang durch die Altstadt landete die Reisegruppe in einer typischen Brauereigaststätte. Dort ließen es sich die Mitreisenden bei deftigen regionalen Speisen und süffigem Altbier gut sein. Nach einem kurzen Abstecher zum Burgplatz, auf dem nur noch der - inzwischen aber mehrfach umgebaute - Schlossturm an die ehemalige Schlossanlage aus dem 13. Jahrhundert erinnert, startete unsere Bustour wieder in Richtung Heimat. 

Zollfeste Zons - Zuvor stand aber noch ein Besuch in der unmittelbar am Rhein gelegenen Stadt Zons auf dem Programm. Die ehemalige kurkölnische Zollfeste, von Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden im 14. Jahrhundert gegründet, gilt in ihrem hervorragenden Erhaltungszustand als einzigartiges Beispiel einer befestigten mittelalterlichen Stadt im Rheinland; sie wird daher auch gerne als das „rheinische Rothenburg“ apostrophiert. Besonders sehenswert ist der mächtige Rheinturm aus dem Jahre 1388. Aber auch der Juddeturm mit seiner barocken Haube und die Windmühle mit ihrem noch originalen hölzernen Mahlwerk aus dem 17. Jahrhundert sind neben dem Rheinanlegeplatz und den Stadtmauern beliebte Fotomotive.

Nach einem ausgedehnten Bummel durch die verwinkelten Gassen trafen sich die mitgereisten WWVler zum gemütlichen Ausklang bei Rotwein und selbst gebackenem Kuchen vor den Toren dieses idyllischen Ortes, bevor sie nach einem erlebnisreichen Tag und unter musikalischer Begleitung von Hannes Turanski wieder die Heimreise nach Wachtberg antraten.

Ernst Picard