Fahrt ins Blaue 2012

Auf den Spuren von St. Castor und Nicolaus Cusanus

„Fahrten ins Blaue“ haben Tradition beim Wachtberger Wander-Verein. Wohin es bei der diesjährigen, im Rahmen der Veranstaltungen aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des Vereins durchgeführten Fahrt gehen sollte, erfuhren die 50 Teilnehmer im vollbesetzten Bus erst kurz nach dem Start, nachdem der Vorsitzende Ernst Picard eine gut gelaunte Reisegesellschaft begrüßt und daran erinnert hatte, dass dies inzwischen die fünfte Fahrt ins Blaue sei.

Reiseleiter Hans-Jürgen Döring ließ denn auch bald die Katze aus dem Sack: An die Mosel gehe es, aber dies unter ganz besonderen Gesichtspunkten. Er stelle die Zahl „fünf“ in den Mittelpunkt der Fahrt: Fünf besondere Orte wolle er zeigen undfünf Persönlichkeiten vorstellen, deren Name und Wirken wahrscheinlich nicht jedem präsent seien.

Erste Station war die einsam liegende Schwanenkirche bei Roes im Maifeld oberhalb der Mosel. Die Anfang der 50er Jahre anstelle eines in den letzten Kriegstagen zerbombten gotischen Vorgängerbaus mit Unterstützung aus der Bevölkerung errichtete Kirche beeindruckte die Besucher durch ihre schlichte, würdevolle Architektur und die modernen bunten Glasfenster, die das Innere in ein eigentümliches Licht tauchten. Ein Ort, der zu Gesprächen animierte, die durch das hier eingenommene traditionelle Sektfrühstück sicherlich belebt wurden.

Hans-Jürgen Döring führte die WWVler anschließend hinunter nach Karden an der Mosel, wo er die römische Geschichte des Ortes, die als „Moseldom“ bezeichnete Stiftskirche und den im 4. Jahrhundert als Missionar wirkenden Heiligen Castor vorstellte, dem der aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirchenbau geweiht ist. Bewundert wurde die einzigartige Innenausstattung, eine der wertvollsten des Mosellandes, vom frühromanischen Taufstein bis zum Reliquienschrein des St. Castor und weiter über den aus Ton geformten Dreikönigsaltar aus der Mitte des 15. Jahrhunderts bis zur großartigen Grablegungsszene aus Eifeler Tuffstein. Hier konnte auch die zweite Persönlichkeit vorgestellt werden: Johann Heinrich Stumm, der Begründer der über sieben Generationen insbesondere an der Mosel und am Mittelrhein tätigen Orgelbauerfamilie. Eine seiner bedeutendsten Schöpfungen steht hier im Moseldom.

Während der Weiterfahrt gab der Reiseleiter interessante Informationen über die Mosellandschaft und den sog. Kaiser-Wilhelm Tunnel. Dieser durch den Cochemer Krampen führende Eisenbahntunnel gehört sicherlich zu einer der größten Ingenieurleistungen der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert. In dem mit Baudenkmälern gespickten Ediger, auch als „Rothenburg an der Mosel“ bezeichneten Weinort, konnte sich die Reisegruppe in einem zünftigen Weinkeller beim Mittagessen etwas erholen, bevor es weiter ging zu einem Besuch der Pfarrkirche St. Michael mit dem prächtigsten Schmuck eines gotischen Kirchturms und dem kräftigsten Glockengeläutan der Mosel, das nur vom Trierer Dom noch übertroffen wird.

Auf der anschließenden Fahrt moselaufwärts stellte Hans-Jürgen Döring weitere Persönlichkeiten vor: Den Baumeister Claudius von Lassaulx, der im 19. Jahrhundert die Mosellandschaft mit zahlreichen neuromanischen Kirchen bereichert hat, und die in der Gegend von Traben-Trabach heute noch verehrte Loretta von Sponheim. Die gleichermaßen ansehnliche wie durchsetzungsfähige Frau hatte sich im 14. Jahrhundert mit einem der mächtigsten Männer Europas angelegt: Sie nahm den Kurfürsten und Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg kurzerhand gefangen und setzte den Schutz der ihr anvertrauten Grafschaft Sponheim durch.

Der fünften Persönlichkeit schließlich galt der Besuch in Bernkastel-Kues. Der hier geborene Humanist, Naturwissenschaftler, Mathematiker und Kirchenfürst, Nikolaus von Kues, bekannter noch als Nicolaus Cusanus, der nach dem Tod von Pius II. beinahe dessen Nachfolger geworden wäre, hat am Moselufer in Kues eine Mitte des 15. Jahrhunderts errichtete Stiftung hinterlassen, die noch heute – wirtschaftlich gesichert – 33 mittellosen Ortsansässigen als Altenheim zur Verfügung steht. Beeindruckend die angeschlossene spätgotische Kapelle mit der Herzreliquie des im Rom beigesetzten bedeutenden Geisteswissenschaftlers und einem der Kölner Malschule entstammenden Altar, in dem Nikolaus als Stifter erkennbar ist.

Einen stimmungsvollen Abschluss fand die Reise am fünften interessanten Ort: Am Moselufer in Pünderich ließen sich die überaus zufriedenen WWV-Mitglieder und ihre Gäste bei selbst gebackenem Kuchen und Rotwein – auch diese Geschmackskombination ist Tradition bei den Busfahrten des Wachtberger Wander-Vereins – von dem Blick auf die auf dem gegenüberliegenden Petersberg thronende Marienburg beeindrucken.